
Wann macht KI uns arbeitslos?
22. September 2026
Generative KI hat in den letzten Monaten in der Nutzer-Akzeptanz verschiedene Stufen durchlaufen. Während manche inzwischen kooperativ mit ihr zusammenarbeiten, sind andere ausgesprochen ernüchtert von „schimmernden“ aber sachlich oft unbrauchbaren Ergebnissen. Was bedeutet das konkret für Texter im Bereich Content PR?
Heute hatte ich ein Interview mit einem Kunden für eine Success Story. Im Vorfeld hatte ich verschiedenen Input erhalten, unter anderem auch die Zielsetzung für den Beitrag. Für gewöhnlich bereite ich für diese Interviews sehr präzise Fragen vor, starte aber mit einer relativ offenen Frage, um denjenigen Raum zu geben, die von sich aus gerne erzählen. Dabei ergeben sich oft interessante Aspekte, die ich vielleicht nie erfragt hätte. Im Laufe des heutigen Gesprächs gewann ich den Eindruck, dass sich gerade die Zielsetzung für den Beitrag verschiebt. Ein Bauchgefühl, das sich zusammensetzt aus den gelieferten Informationen, der Art, wie sie mir präsentiert wurden, der langjährigen Beziehung zu meinem Kunden und dem gewachsenen Gespür dafür, was ihm wichtig ist, aber auch aus einem Verständnis für die Bedürfnisse des Markts.
Was KI gut kann
Ich frage mich: Wie hätte ein KI-Agent wohl dieses Gespräch geführt? Welchen Input hätte ich ihm zur Verfügung stellen müssen, damit er wie ich die Frage gestellt hätte: „Kann es sein, dass sich die Zielsetzung für den Beitrag gerade verschiebt?“ War es tatsächlich menschliche Intuition, die sich nicht so einfach per KI abbilden lässt? Oder laufen Muster, die ich nicht überblicke, die eine KI aber sehen würde?
Immer wieder fragen mich Menschen, ob ich fürchte, meinen Job an die KI zu verlieren. Manche fragen auch anders, nämlich wie ich die KI nutze, um meine Arbeit besser oder effizienter zu erledigen. Das halte ich derzeit für die sinnvollere Frage. Denn natürlich, die KI ist aus meinem Arbeitsalltag nicht wegzudenken. Bekomme ich mehr Input als ich als Ganzes überblicken kann, hilft mir die KI bei der Strukturierung der Informationen. Die KI hilft mir auch, Verbindungen zwischen Themen zu entdecken, die ich auf den ersten Blick nicht sehe. Sie unterstützt mich bei der Recherche. Früher brauchte ich im Interview viel Zeit, mir die Hintergründe erklären zu lassen. Heute kann ich mich fast in jeden Anwendungsfall vorab mit der KI einarbeiten und habe dann im Kundeninterview mehr Zeit, das zu fragen, was nur mein Gegenüber beantworten kann. Je mehr man weiß, desto besser sind bekanntlich die Fragen, die man stellt. Auch beim sprachlichen Überarbeiten meiner Texte ist die KI eine große Hilfe. Rechtschreibung und Grammatik, sowieso. Aber auch bei Formulierungen. Oder beim „Entwursteln“ – ich neige zu „verschachtelten“ Sätzen. KI hilft beim Auflösen.
Was KI (noch) nicht so gut kann
Allerdings, die Verschachtelungen sind auch Teil meines Stils. Nun steht „handmade“ in der Industrie-Fachpresse vielleicht nicht an oberster Stelle. Man könnte sagen: Hier zählt sachlicher Informationstransfer. Aber ich höre immer mehr Leute klagen, dass sie keine Lust mehr haben auf den immer gleichen Formulierungsstil der KI. Daher prüfe ich sehr genau, welche Vorschläge zur Umformulierung mir angeboten werden. Wenn ich mich im Text nicht mehr selbst wiedererkenne, übernehme ich Vorschläge nicht.
Darin steckt schon ein Teil der Antwort, warum ich nicht die KI direkt den Fachartikel schreiben lasse. Ein anderer Teil der Wahrheit ist aber auch: Weil sie es nicht kann. Zumindest nicht zufriedenstellend – aus meiner Sicht. Sie holt den Leser in der Einleitung nicht ab, argumentiert selten vom Problem her, braucht zu lange bis sie auf den Punkt kommt, sieht Verbindungen, wo keine sind und schreibt viel zu werblich. Letzteres kreidet sie bei meinen Texten übrigens immer an. Bei sich selbst ist sie da irgendwie weniger streng.
Natürlich könnte man einwenden, das sei alles nur eine Frage des richtigen Prompts. Die Frage ist aber auch: Wie viel Zeit muss ich mit einem Prompt zubringen und wie viele Iterationsstufen benötigt es, damit irgendwann ein geeigneter Text entsteht, der nicht nur wohl tönt, sondern Lesern auch einen echten Mehrwert liefert? Am Ende landen wir irgendwie immer bei einem ähnlichen Problem, das wir in den vergangenen Jahren bei den verschiedenen Text-Trends wiederholt entdeckten: Wenn der Text Lesenden keinen Mehrwert bietet, lesen sie nicht. So einfach ist das. Keiner braucht einen Text, in dem sich ein Unternehmen nur selbst beweihräuchert. Das galt schon bei SEO, das gilt auch für KI. Und leider ist die unglaublich gut darin, sprachlich wohlklingende Luftblasen zu generieren, die zu lesen heute keiner mehr Zeit hat.
Werkzeug richtig nutzen
Ich will die KI nicht per se verteufeln. Ich schlage nur auch keinen Nagel mit der Rohrzange ein. Will heißen, ich nutze die KI da, wo sie mich effizienter und besser macht und setze auf meine eigenen Fähigkeiten, wo das sinnvoll ist. Der kluge KI-Einsatz ist damit auch abhängig von meinen individuellen Kompetenzen und Stärken. Wer stundenlang vorm leeren Blatt sitzt, ehe er zu schreiben beginnt, ist mit KI und anschließendem Überarbeiten eventuell besser beraten als ich. Insgesamt unterscheidet sich mein Fachbereich – nämlich die technische Redaktion – in diesem Zusammenhang wohl wenig von vielen anderen in diesem Lande. KI ist ein gutes Werkzeug, vermutlich kein komplettes Schweizer Taschenmesser, aber eins mit vielen Funktionen. Es gilt für mich persönlich herauszufinden, welche davon mir dabei helfen, effizienter besseren Output zu generieren.
Foto: erstellt mit KI (magnific)